Bailey wurde wahrscheinlich 2002 geboren (am Halsband war eine alte Hundemarke aus Bergern), und ca. 2004 an die Besitzer in Stockerau übergeben.

 

Anfang Jänner 2006 wurden wir von eben diesen Besitzern aus Stockerau angerufen und ersucht, den Hund sofort abzuholen. Er büchst immer aus, kaum dass er aus der Garage rausgelassen wird. Dort hatte er ein paar alte Tücher am Boden liegen. Ins Haus dürfe er nicht, da er alles schmutzig macht und im Vorzimmer alles hinunterwirft.
 
Wir fuhren hin: verfilztes Fell, stark abgemagert. Da es absolut nicht möglich war, so einen grossen Hund sofort mitzunehmen, baten wir, den Hund noch ein paar Tage zu behalten, damit wir etwas organisieren könnten. Wir liessen auch Futter dort, da der Besitzer zwar angab, dass der Hund "eh jeden Tag 3 kg Futter" bekäme, weil er (Besitzer) "jede Woche einen 10 kg Sack kauft". Klar, wieder ein Beweis für die Pisa-Studie!
 
Am Freitag, 6. Jänner häuften sich die Anrufe von Nachbarn bei uns und anderen Tierschutzvereinen, dass der Hund bei minus 15 Grad im Schnee draussen an der kurzen Leine am Baum angebunden sei. Die damalige Leitung vom Tierheim Dechanthof blockte ab, ATA war lt. Behörde nicht erreichbar, Tierheim Krems war voll. Es war 20 Uhr und saukalt.
 
Eine Hundefreundin erklärte sich spontan bereit, dem Hund eine leere, strohgepolsterte Pferdebox anzubieten. Also trocken und mit zarten Plusgraden relativ warm gegenüber minus 15 Grad C draussen!
 
Erst in der Box sahen wir, dass die Hoden bereits aufgefroren waren und auch sonst war der Zustand nicht schön. Die Dame übernahm alle Mühen und Kosten, schlief bei Bailey - wie sie ihn taufte - auch in der Box, damit er nicht alleine war. Nur behalten - so gerne sie dies auch getan hätte - konnte sie ihn nicht. Sie hattte selbst 7 Hunde, darunter einen Maremmanno Sardegno, der keinen andere grossen Rüden duldet. Nach langer Überlegung nahmen wir den Hund nach der Genesungszeit in unsere Gruppe. Es war nicht einfach, weil er andere Rüden nicht wirklich mochte. Aber mit hin und her und auseinandersperren, ging es nach einigen Raufereien ganz gut und lange Zeit ziemlich problemlos.
 
Im Frühjahr 2010 begann es, dass Bailey aufeinmal Angst vor Gewitter bekam. Es wurde immer schlimmer, und es machte ihn auch starker Regen nervös. Dann wanderte er ruhelos herum. Das machte wieder alle anderen nervös und nach zweitägigen Gewittern, eskalierte in einer Nacht im August 2010 die Situation in einer massiven Beisserei mit unserem Jagdterrier. Der hatte in dem ungleichen Kräfteverhältnis viel Glück, weil die Schlagader grade noch verfehlt wurde, die sonstigen Verletzungen geflickt werden konnten.
 
Schweren Herzens entschlossen wir uns damals, mit Hilfe eines anderen, auf grosse Hunde spezialisierten Vereines, ein neues zu Hause für Bailey zu suchen. Dieser Verein meinte auch, dass aufgrund der charakterlichen Eigenschaften eher ein Herdenschutzhund in Bailey steckt, als ein Bernhardiner.
 
Da sich niemand meldete, der ihn aufnehmen wollte, suchten wir nach Lösungen und installierten ein Schleusensystem, welches bis heute tadellos funktioniert.  Die Gewitterempfindlichkeit hat aufgrund der beginnenden Altersschwerhörigkeit auch abgenommen.
 
Bailey ist gegenüber Hündinnen ein wahrer Gentleman. Von ihnen lässt er sich alles gefallen. Er liebt es, lange und ausgiebig im Bett zu schlafen, viel zu fressen und er geniesst es, im Garten die Bewegung zu machen, die er mag und er auch das Tempo und die Richtung bestimmen kann.
 
Bailey hat seit Jahren ein vergrössertes Herz und bekommt täglich Medikamente. Er braucht aber keine Entwässerung und sein Blutbild ist vollkommen in Ordnung. Leider hat sich vor einiger Zeit ein grosses Lipom bei seiner Luftröhre gebildet. Dieses muss beobachtet werden, weil er irgendwann keine Luft bekommen könnte. Operabel ist es aufgrund der Herzprobleme leider nicht mehr.
 
Wir versuchen ihm noch eine schöne Zeit zu machen. Wie lange er noch so stabil bleibt, weiss niemand im voraus. Aber das wissen auch die wenigsten von sich selber!
 
Die Retterin der ersten Stunde, Bailey´s grosse Liebe, hat nie aufgehört, alle Kosten für ihren Liebling zu übernehmen - und noch mehr! Vielen Dank!